Gemeinsam schreiben

statt einsam. Schon seit einigen Wochen will ich hier Software für kollaboratives bzw. kooperatives Schreiben vorstellen. Dann kommt die Blogparade und mir wird klar, dass ich schon längst Co-Autorin bin. Denn was tun die BloggerInnen des #bks11 anderes, als gemeinsam schreiben, erzählen, weiterspinnen? Wer hätte im Frühling gedacht, dass Horst einmal in Mias blauem VW-Bus zu Miss Novice düst und dabei den Papagena-Rap trällert?

Das Netz macht es möglich. Wir müssen nicht mehr am gleichen Ort sitzen, z.B. in einer Schreibwerkstatt oder einem Büro, um gemeinsam einen Text zu erstellen, er entsteht durch Bezugnehmen, Kommentieren, asynchron meist. Unser kreatives Kollektiv lauert im Internet. Eine beliebige Internetplattform (Blog, Forum, Twitter, Facebook …) reicht dazu aus. Und dann wären da noch ein paar Spezialanwendungen, die für Mehrfach-Autorenschaft prädestiniert sind.

Die ist nämlich angesagt, ob in der Literatur, wo Kollektive Krimis schreiben oder in der Bildung, die bei der Suche nach „kollaborativ schreiben“, die meisten Treffer bringt. In der Wissenschaft sind Journal-Artikel mehrerer Urheber ein alter Hut, die digitale Entwicklung macht es den Autoren einfacher.

Doch halt, Begriffsklärungen scheinen mir angebracht, um nicht alles in einen Topf zu schütten und die Werkzeuge je nach persönlichem Bedürfnis der Autoren auszuwählen. Zunächst könnte hier das kollaborative vom kooperativen Schreiben unterschieden werden. Kollaboration geschieht in Echtzeit/synchron an einem gemeinsamen Text, wie z.B. dem Makertext des #bks11, wir sehen ihm nachher nicht mehr an, wer welchen Satz beigetragen hat. Bei der Kooperation werden die Aufgaben vorher aufgeteilt und jeder macht sich an seinen Beitrag, nicht notwendigerweise zur gleichen Zeit. In der Praxis werden die Trennlinien nicht so scharf gezogen.

So genannte Etherpads, Texteditoren im Netz, wurden dafür konzipiert, in Echtzeit kollaborativ zu schreiben. Seit cloud computing wirken sie beinah antiquarisch, bei Google Drive, MS Office Online & Co. bekommen die User nahezu das Gleiche mit vertrauter Nutzeroberfläche. Die Webseite Social Science Software listet eine Reihe an Programmen für kollaborative Schreiben, die meisten davon sind kostenlos nutzbar.

Das gemeinsame Arbeiten muss sich jedoch nicht auf originäre Textbearbeitung beschränken: Für (fast) alles, was ich sonst allein am Rechner treibe, gibt es Software, lokal installiert oder rein online, mit der Gruppen sich diesen Aufgaben stellen können. Mit NetDraw lassen sich synchron Skizzen erstellen, mit Coggle kollaborative Mindmaps oder bei Prezi gemeinsam kreative Präsentationen. Hier gelang es mir allerdings nicht mit dem kostenlosen Basiskonto, die Teamarbeits-Funktion zu aktivieren. Bitte 50 USD pro Nutzer und Monat – das macht die nicht-geschäftliche Nutzung für Gruppen unattraktiv. Für einen Kollaborativ-Software-Überblick empfehle ich das Wiki der Zentrale für Unterrichtsmedien. Ein Wiki entsteht auch übrigens auch durch gemeinsames Schreiben …

Ich gestehe, ich brauche und genieße beides, das einsame und das gemeinsame Schreiben. Und wenn ich nicht das Glück habe, physisch mit meinen Schreibpartnerinnen an einem Ort zu sein, dann danke ich den digitalen Möglichkeiten, um zusammen mit anderen neue Welten zu weben.

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8 Gedanken zu „Gemeinsam schreiben

  1. Hat dies auf Mia.Nachtschreiberin. rebloggt und kommentierte:
    Liebe Miss Novice,
    so wie „einsam“ bereits in „gemeinsam“ versteckt ist, aber eben auch „gemein“, schreibe ich auch. Beides alleine für mich und mit anderen sind für mich beide ganz wesntliche Eletmente beim Schreiben. Das gemeinsame, bei dem aus dem Kontakt Neues ensteht, das alleine so nie entstehen könnte und dann die Umsetzung des Impulses alleine am Schreibtisch, um die Idee aufs Papier zu bringen oder in die Tastatur zu *hämmern* …
    Danke für die Vorstelllung der vielen technischen Möglichkeiten dazu, von denen ich mir für mein Schreib- und Erzählcafé mal eines vornehmen werde.
    Jetzt fällt mir gerade der gleichnamige Filmtitel ein: https://de.wikipedia.org/wiki/Singles_%E2%80%93_Gemeinsam_einsam; ich glaube da gibt es eine etwas abgewandelte Geschichte mit Audrey Tautou „Zusammenn ist man weniger allein, https://de.wikipedia.org/wiki/Zusammen_ist_man_weniger_allein, …
    Wie war ich da jetzt hingekommen?
    Liebe Grüße,
    Mia,
    die jetzt schnell arbeiten gehenn muss …:-)

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  2. Liebe Amy,
    stimmt, beides hat etwas für sich. Für sich allein zu schreiben, ganz bei sich und mit sich, manchmal auch gegen sich, aber auch das inspirierende, befruchtende Schreiben miteinander, sei es nun digital oder analog… Ich muss immernoch lachen, wenn ich an unsere Reißverschlussgeschichten denke. 😀
    Danke für Deinen informativen Post dazu. Jetzt bin ich wieder etwas klüger. Wo soll das nur noch hinführen? 😉
    lg. mo…

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  3. Liebe Amy,
    tut mir leid, wenn ich (mal wieder) so ein bisschen salopp dazwischen grätsche. Ich komme immer noch nicht über diese Bezeichnung „Kollaboratives Schreiben“hinweg. Aussprechen geht schon gar nicht, schreiben, dann nur mit nachbessern. Ich habe sofort die Gedankenkette „Kollabieren,, Kollateralschaden, Konspirativ, und konsequent“ im Hirn. Das bringt mich ohne Umweg über den Himmel glaub ich noch mal in die Hölle. Also ich beschränk mich mal lieber auf das faktisch-praktische und schreibe leibhaftig zu zweit, das reicht.
    Liebe Grüße
    Anne

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    • Liebe Anne, völlig in Ordnung dein Reingrätschen! Denn so richtig behagt mir die Bezeichnung auch nicht, unter der das gemeinsame Schreiben in einigen Fachkreisen abgelegt ist. Ist das ein spezielles Problem im Deutschen? Konsequent hat bei mir übrigens nur positive Konnotationen… LG Amy

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  4. Liebe Amy,
    ja, das gemeinsame Schreiben darf beim digitalen Schreiben nicht fehlen.
    Zu Mias Kommentar darf ich hinzufügen: Zusammen schreibt man weniger allein (http://www.utb-shop.de/autoren/henkel-christiane/zusammen-schreibt-man-weniger-allein-gruppen-schreibprojekte-gemeinsam-meistern-9426.html) – so heißt unser Buch, das demnächst bei utb erscheint (hoffentlich kann ich es zur letzten Präsenzphase im Sommersemester mitbringen). Es ist ein Ratgeberbuch zu gemeinsamen Schreibprojekten an der Uni. Wir haben es zu dritt geschrieben, was auch eine starke gemeinsame Schreiberfahrung war! Ich würde es mit meinen (Ex-)Kolleginnen jederzeit wieder machen! Mich ermutigte es sehr, weil wir uns gegenseitig ergänzt und immer wieder motiviert haben. Wir haben uns damit natürlich auch beschäftigt, weil es ja Teil des Inhaltes ist. Der Großteil des Buches besteht aus Übungen für das gemeinsame Schreiben. Auf ein Kapitel zum digitalen Schreiben haben wir dann doch verzichtet, weil wir befürchtet haben, dass die Tools zu schnell veralten.
    Ich habe übrigens mit unserem Seminarleiter mal gemeinsam ein Veranstaltungskonzept mit einem Etherpad entwickelt. 🙂
    Liebe Grüße
    Christiane

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    • Liebe Christiane,
      du wärest also die Expertin für diesen Beitrag gewesen:) Ich bin gespannt auf dein/Euer Buch und würde mich gerne als Käuferin vormerken lassen, auch wenn es eher ums wissenschaftliche Schreiben geht. Sonnigen Feiertag (oder hat’s den gar nicht in NRW?) wünscht dir: Amy

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