Pieps im großen Schnattern

Ein Spatz pfeift!

Tweet von domiriel via Flickr

Wenn ich mich unter den blauen Vögelchen tummle, dann fühle ich mich wie Pieps, die Freundin von Lars Eisbär. Die kleine tollpatschige Schneegans hüpft aufgeregt umher, piept natürlich wild, aber meistens wird sie überhört und ihre starken Freunde klären die Lage. Weil man jedoch beim digitalen Schreiben schwer an Twitter vorbeikommt, mische ich mich wieder einmal unter die Vogelschar. Diesmal mit einer ganz konkreten Frage: Was kann mir Twitter als Autorin bieten?

Es ist der dritte Anlauf als Privatmensch, mich beim Microblogging zurechtzufinden. Beruflich ist mir dies sogar gelungen, damals im Dunstkreis von Medien und Politik. Seitdem begleitet mich das Gefühl, dass Twitter vor allem ein Medium für Machtmenschen ist, die andere Machtmenschen erreichen wollen. Das Fußvolk nutzt Facebock oder ist gleich offline. Tu ich dem Gezwitscher unrecht?


Twitter-Basics

Man wähle einen Benutzernamen, zu erkennen an der vorangestellten Affenklammer, also in meinem Fall @missnovice, und lege ein Twitter-Profil an. Dann sende ich munter Meldungen („tweets“) mit bis zu 140 Zeichen, die am besten auf irgendeine Internetseite verlinken. Wenn ich mich an Diskussionen ranhängen will, setze ich eine Raute („hashtag“) vor etablierte Begriffe, zum Beispiel #digital. Ich kann auch versuchen, ein eigenes Hashtag zu etablieren, in dem ich es immer wieder in meinen Tweets verwende. Ich suche Leute, die zum Thema twittern, das mich interessiert, werde ihr „follower“ und bekomme fortan alle Meldungen, die sie absetzen direkt geschickt. Um wahrgenommen zu werden, muss auch ich mir eine Follower-Gemeinde aufbauen, beispielsweise durch geniale Tweets, Kommentieren und Weiterverbreiten fremder Tweets oder Likes. Unmengen an Webseiten warten im Netz die Details und Kniffe zu erklären.


 

Screenshot Twitter von Miss Novice

Mein Profil bei Twitter: Magere 12 Follower nach drei Wochen halbherziger Tweets.

Funktion 1: Aufmerksamkeit anziehen

Mein Twitter-Profil habe ich vor drei Wochen zeitgleich mit diesem Blog angelegt, mit dem primären Ziel, Leserinnen außerhalb von #bks11 auf meine Seite zu lenken. Ich könnte ja auch was zu verkaufen haben, als Autorin ist das ja nicht abwegig. Der Erfolg ist bisher bescheiden, bei neun Tweets zwölf Follower. Immerhin haben mir bisher unbekannte Autorinnen auch schon Kommentare dagelassen (Danke!). Natürlich war Twittern bislang nur ein Nebenprodukt, in den kommenden Wochen will ich es systematischer nutzen und dann ein zweites Mal berichten. Taugt Twitter zur Selbstvermarktung? Die Self-Publisher-Bibel nimmt mir vorab alle Illusionen. Immerhin bestätigt sie meinen Eindruck, dass Microblogging Diskussionen unter Gleichgesinnten fördern kann.

Funktion 2: Recherche

Da sind wir schon mitten im Thema Infosuche via Twitter. Dafür finde ich Twitter mindestens so schick wie eine Suchmaschine, zumal sich hier mit den Hashtags nicht nur computer- sondern auch menschengemachte Filter anwenden lassen. Allerdings ist das Suchergebnis viel kleiner als bei der Datenkrake und vorab durch den Kreis der Twitternutzer gefiltert. Wer nicht sein eigenes Thema recherchieren will, sondern wissen will, was in der (Twitter)Welt abgeht, schaue auf die Trends: heute ist die französische Präsidentschaftswahl top.

Screenshot 2017-04-24 19.30.38

Links unten die Trends des Tages, besonders für Journalisten interessant.

Und schließlich: Wer einen Roman schreibt, der im twitteraffinen Milieu spielt, kann hier hervorragend Sozialstudien betreiben.

Funktion 3: Ausdrucksmittel

Geschichten in 140 Zeichen, die gibt es schon länger, haben sogar schon einen Grimme-Preis abgeräumt. Sie tummeln sich immer noch auf Twitter, zum Beispiel bei @WriterlyTweets oder #tinytales, der Hype scheint allerdings vorbei. Ade, Twitteratur, ich finde dich putzig!

Darum eröffne ich den Contest: Wer schreibt die packendste 140-Zeichen-Geschichte (im Kommentar, @twitteratur) über elektronische Einsamkeit? Alle Vorschläge der kommenden vier Wochen (bis 23. Mai 2017) werden berücksichtigt und im Twitter-Post, Teil 2, Mitte Juni vorgestellt.

22 Gedanken zu „Pieps im großen Schnattern

  1. Darf man eigentlich auch mehrmals? 😀
    Guck da, meins (exakt 140):

    »Hallo.« schrieb sie sehnend. »Hört mich jemand?«
    Drückte den Retweet-Knopf.
    Wieder & wieder.
    Ihr eigenes Echo.
    & jedes ❤️-te sie.
    Sofort.

    lg. mo…

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