Was tun bei kreativer Lähmung?

eine weiße Flügeltür verbindet zwei weiße leere Räume

Jede, egal ob sie nun viel und gerne schreibt oder nicht, kennt die Situation: Du hast einen mehr oder minder präzisierten Schreibauftrag bzw. -wunsch, und die Worte wollen nicht kommen. Du wartest, lenkst dich ab, erinnerst dich vielleicht an die Strategie, einfach drauf los zu schreiben, verwirfst deine Zeilen wieder, machst ein Brainstorming, dessen Ergebnisse dich aber nicht überzeugen, lenkst dich wieder ab, plötzlich hast du einen Abgabetermin im Nacken und das Blatt ist immer noch jungfräulich. Ich nehme es vorweg: Der Computer hilft dir da nicht viel weiter.

Wäre ja auch zu schön gewesen. Ich habe verzweifelt das Internet durchforstet nach irgendwelchen Kreativätsboostern, einige Werkzeuge und Webseiten ausprobiert, doch am Ende wurde ich immer wieder auf mich und meine Ideen zurückgeworfen. Und Techniken, die sich getrost auch ohne Computer anwenden lassen. Oder eben mit.

Computerprogramme und Internetseiten unterstützen dich höchstens beim kreativen Prozess. Man nehme also einen Ratgeber zum Kreativen Schreiben nach Wahl, als Buch oder online, und stürze sich in die Übungen. Zum Freewriting genügt jede beliebige Textverarbeitungssoftware oder ein puristischer Text-Editor. Wer lieber Clustern oder MindMappen will, dem stehen zahlreiche digitale Möglichkeiten offen. Gerade bei den MindMapping-Apps scheint das Angebot endlos. Ich bevorzuge allerdings Werkzeuge, die Ideen nicht nur linear gliedern. Mit dem kostenlosen Cmap geht das ganz gut, speziell für Schriftsteller entworfen wurde Scapple, das ich allerdings nicht ausprobiert habe.

Concept Map von Cmap

Ideensammlung für diesen Text mit Cmap.

Eher im englischsprachigen Raum verbreitet sind so genannte „writing prompts“, meist Textanfänge oder andere Schreibimpulse, die deine Phantasie beflügeln sollen und damit den Einstieg in einen Text erleichtern. Es gibt sie auf Webseiten: writing.com, StoryStarter, Creative Writing Prompts, oder als Tweet: @WritingPrompt_ ‏ , @hourlyprompts,  @pictureprompts. Sie sind vor allem an literarische Schreiber gerichtet, Journalisten, Sach- und Fachautoren orientieren sich besser an dem, was sonst so in der Welt diskutiert wird, oder eben noch nicht.

Wenn du dann weißt, über was du ungefähr schreiben willst, dein Thema oder die Grundkonstellation gefunden hast, bist du wirklich allein. Wie entwickelt sich eine Handlung, wie eine Figur? Bei den Gedankenspielen kannst du Autorenprogramme wie Scrivener oder Papyrus nutzen, die ich in ein paar Wochen in einem Post abhandeln will. Du kannst aber auch bei Word oder einem Texteditor bleiben und alles zum Thema „plotten“ und „Figuren entwickeln“ googeln.

So du endlich den Einstieg in deinen Text gefunden hast, ist Dranbleiben das Wichtigste. Dabei können wieder die noch nicht besprochenen Autorenprogramme helfen, in denen du Schreibziele festlegen kannst. Oder du benutzt andere Werkzeuge, die dir zu einem konzentrierten Arbeiten verhelfen sollen. So soll es Autoren geben, die auf die Pomodoro-Technik schwören: Nachdem du dein Schreibziel definiert hast, arbeitest du 25 Minuten konzentriert, dann machst du fünf Minuten Pause. Nach vier Arbeitsphasen ist Zeit für eine längere Pause. Wer hierbei nicht einen Küchenwecker nutzen will, kann diverse Timer im Netz nutzen, den TomatoTimer oder den etwas flexibleren MarinaTimer.

Lexikoneintrag: creativity

Day 26/365- Gotta get me some von Sean Kelly via Flickr

Diese Webseiten dürfen dann aber nicht zu denen gehören, die du als konzentrierte Schreiberin natürlich blockierst, zum Beispiel mit LeechBlock für Firefox  oder, für die härteren unter uns, mit Cold Turkey. Diese Art von Anwendungen nennen sich Ablenkungs-Blocker. Damit kannst du kontrollieren, auf welche Seiten du während der Arbeitszeit keinen Zugriff hast.

Alles Schnickschnack, wenn du vorher auf das richtige Schreibprogramm gesetzt hast. Vielleicht eines mit meditativem Anspruch, wie der ZenWriter oder der OmmWriter? Oder ein minimalistisches Textwerkzeug wie Q10 oder der FocusWriter, bei denen du dich auf nichts als den Text konzentrierst?

Bei der Überarbeitung kannst du dich neben deines Hirns weiterer digitaler Werkzeuge bedienen, einer Rechtschreibeprüfung, einem Synonym-Lexikon oder auch einem Stilanalyse-Tool. Ich habe diesen Text durch das Textanalyse-Tool laufen lassen und bekam bescheinigt, gut zu starten, aber nach hinten zu schwächeln. Für mich nur logisch, denn ich habe Stunden am Computer verbracht, gesucht, gelesen, getestet und getextet. Der digitale Overkill. Da fällt mir nichts mehr ein.

12 Gedanken zu „Was tun bei kreativer Lähmung?

  1. Liebe Amy,
    vielen Dank für deine spannende Auswahl dieser unterschiedlichen Tools. Mich hat besonders die Bildinspiration im twitter picturepromt angesprochen. Ich kann mir vorstellen, dass das wirklich einen Inspirationsschub geben kann, wenn man gerade in einer Geschichte keine zündende Idee hat oder auch auf der Suche nach einem neuen Thema ist.
    Andererseits gibt es auch Phasen, wo Ablenkung hinderlich ist – da finde ich die Cold Turkey-Software einen echt guten Tipp (schon beim Namen muss ich schmunzeln).
    Herzliche Grüße
    Ulrike

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  2. Liebe Amy,
    obwohl man spürt, dass die digitalen Autorentools nicht so ganz deins sind, schaffst Du es dennoch durch deine Schreibart, mich neugierig zu machen auf all die Tools. Ich habe Lust sie auszuprobieren und sei es auch nur, um dir am Ende zuzustimmen. 🙂 Cluster bevorzuge ich auf jeden Fall erstmal auf dem Papier. Wenn es dann um eine Strukturierung geht, könnte ich mir den digitalen Weg schon eher vorstellen, weil man dort ja relativ unkompliziert die Stränge umstellen kann. Ich müsste es ausprobieren, ob ich auch hier als Mischwesen unterwegs wäre…
    Danke dir jedenfalls sehr für Deine Recherche und dass Du sie mit uns teilst. Wie gesagt, dank dir lerne ich stetig dazu. 😀
    lg. mo…

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